Organspende: Wissen statt Vorurteile
Kaum ein medizinisches Thema wird so emotional diskutiert wie die Organspende. Für die einen ist sie eine Möglichkeit, nach dem eigenen Tod anderen Menschen zu helfen. Andere lehnen sie aus persönlichen, religiösen oder ethischen Gründen ab. Beide Haltungen verdienen Respekt.
Aus medizinischer Sicht gibt es jedoch einen Punkt, der unabhängig von der persönlichen Einstellung von großer Bedeutung ist: Treffen Sie eine bewusste Entscheidung – und dokumentieren Sie diese.
Denn im Ernstfall profitieren nicht nur mögliche Organempfänger von einer klaren Willensäußerung, sondern vor allem auch die eigenen Angehörigen, die in einer extrem belastenden Situation nicht zusätzlich über den mutmaßlichen Willen eines geliebten Menschen entscheiden müssen.
Was bedeutet Organspende überhaupt?
Unter einer Organspende versteht man die Entnahme funktionsfähiger Organe eines verstorbenen Menschen, um sie schwer erkrankten Patientinnen und Patienten zu transplantieren. Zu den spendbaren Organen gehören unter anderem:
- Nieren
- Leber
- Herz
- Lunge
- Bauchspeicheldrüse
- Dünndarm
Darüber hinaus können auch Gewebe wie Hornhaut, Herzklappen oder Haut gespendet werden.
Eine Organtransplantation ist häufig die letzte therapeutische Möglichkeit, wenn alle anderen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind.
Wann ist eine Organspende überhaupt möglich?
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass jeder Verstorbene automatisch Organspender werden kann. Tatsächlich trifft dies nur auf einen sehr kleinen Teil aller Todesfälle zu.
Damit eine Organspende möglich ist, müssen mehrere medizinische Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:
- Es muss ein unumkehrbarer Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen (umgangssprachlich häufig als Hirntod bezeichnet) vorliegen.
- Die Organfunktionen müssen durch intensivmedizinische Maßnahmen weiterhin erhalten werden.
- Es dürfen keine medizinischen Ausschlussgründe gegen eine Spende bestehen.
Nur ein sehr geringer Prozentsatz aller Verstorbenen erfüllt diese Voraussetzungen.
Was bedeutet der Hirntod?
Der Hirntod beschreibt den vollständigen und irreversiblen Ausfall aller Funktionen des Gehirns einschließlich des Hirnstamms. Medizinisch gilt dieser Zustand als sicherer Nachweis des Todes eines Menschen.
Die Diagnose erfolgt nach streng festgelegten Richtlinien und wird von besonders qualifizierten Ärztinnen oder Ärzten unabhängig voneinander gestellt. Dabei müssen zahlreiche Untersuchungen durchgeführt und mögliche reversible Ursachen ausgeschlossen werden.
Erst wenn diese Voraussetzungen zweifelsfrei erfüllt sind, kann überhaupt geprüft werden, ob eine Organspende infrage kommt.
Wer entscheidet über eine Organspende?
In Deutschland gilt derzeit die sogenannte Entscheidungslösung. Das bedeutet: Eine Organentnahme ist nur möglich,
- wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat,
- oder wenn die Angehörigen den mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person glaubhaft wiedergeben können.
Genau hier entsteht häufig eine enorme emotionale Belastung.
Die schwierige Situation der Angehörigen
Der plötzliche Tod eines nahestehenden Menschen gehört zu den schwersten Erfahrungen überhaupt. In dieser Ausnahmesituation müssen Angehörige oftmals innerhalb kurzer Zeit eine Entscheidung treffen, obwohl sie den tatsächlichen Wunsch der verstorbenen Person möglicherweise gar nicht kennen.
Nicht selten bleiben danach Zweifel. Diese Unsicherheit kann die Trauer zusätzlich erschweren.
Eine dokumentierte Entscheidung nimmt den Angehörigen diese Last ab. Sie müssen dann nicht mehr entscheiden, sondern können den bekannten Willen respektieren.
Zustimmung oder Ablehnung – beides ist legitim
Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist eine höchst persönliche Angelegenheit. Menschen treffen sie aus ganz unterschiedlichen Gründen. Von daher gibt es keine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidung.
Wichtig ist aber, dass die Entscheidung bewusst getroffen wird und dokumentiert wird.
Wie kann die Entscheidung festgehalten werden?
Am einfachsten lässt sich der persönliche Wille dokumentieren durch:
- einen Organspendeausweis
- einen Eintrag im Organspende-Register
- eine Patientenverfügung (ergänzend)
- ein offenes Gespräch mit den engsten Angehörigen
Besonders hilfreich ist es, wenn die Familie weiß, welche Entscheidung getroffen wurde. Dadurch entstehen im Ernstfall deutlich weniger Unsicherheiten.
Kann ich meine Meinung später ändern?
Ja. Die Entscheidung ist jederzeit widerrufbar oder veränderbar.
Viele Menschen setzen sich im Laufe ihres Lebens mehrfach mit dem Thema auseinander. Neue Erfahrungen oder veränderte Lebensumstände können dazu führen, dass sich die eigene Haltung entwickelt. Deshalb lohnt es sich, die eigene Entscheidung gelegentlich zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu dokumentieren.
Fazit
Organspende ist ein sensibles Thema, das viele medizinische, ethische und persönliche Fragen berührt. Jeder Mensch hat das Recht, sich frei dafür oder dagegen zu entscheiden.
Ebenso wichtig wie die Entscheidung selbst ist jedoch, dass sie dokumentiert wird.
Eine klare Willensäußerung schafft Sicherheit, respektiert die eigene Selbstbestimmung und kann den Angehörigen in einer ohnehin außergewöhnlich belastenden Situation eine schwere Entscheidung abnehmen.
Falls Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, stehe ich Ihnen gern in meiner Praxis für Chiropraktik und Osteopathie in Hilden bei Düsseldorf als Ansprechpartner zur Verfügung.
Herzlich Jörg Viehweg – Ihr Heilpraktiker für Hilden, Haan und Solingen
P.S. Im Jahr 2025 haben 985 Menschen ihre Organe gespendet. Durch die gespendeten Organe konnte rund 3200 Menschen geholfen werden (ein Spender kann mehrere Organe spenden). Gleichzeitig haben Ende 2025 rund 8.200 Menschen auf ein lebensrettendes Organ gewartet. Die Größe dieser Lücke macht das Problem sehr deutlich.
